Nicht in Institutionen, sondern in Biographien denken

   

 

Der Bildungsbericht 2018 bringt es an den Tag: Die Kluft innerhalb unserer Bildungslandschaft ist zu einem scheinbar unüberwindbaren Hindernis geworden. In den letzten Jahren hat sich der Anteil der Abiturienten an den jungen Leuten eines Jahrgangs von 34 auf 43% erhöht. In manchen Bundesländern schafft bereits jeder zweite Schüler die Allgemeine Hochschulreife. Demgegenüber stagniert der Anteil der Jugendlichen ohne Schulabschluss, hat sich dieser in den letzten Jahren sogar leicht erhöht. Zu Recht sieht der Präsident der Kultusministerkonferenz in solchen Zahlen einen „Weckruf“ – nur, dass die verantwortlichen Politiker immer noch nicht aufgewacht sind. So wird bei ihren bildungspolitischen Planungen immer noch in Institutionen, nicht aber in Biographien gedacht. Das hat zur Folge, dass viele Jugendliche an den Schnittstellen zwischen den einzelnen Schularten oder beim Übertritt von der Schule in den Beruf scheitern. Deshalb wären umfassende Mentoren- oder Coachingprogramme nötig, um die Betroffenen zu begleiten und ihnen über manche Enttäuschung und manche Durststrecke hinwegzuhelfen. Solche Programme aber stehen im Widerspruch zur Logik des selektiven Schulwesens, das eher auf Auslese als auf Förderung angelegt ist. Noch aber ist keine Bereitschaft der Verantwortlichen zu einem Um-Denken und damit zu einem Um-Schalten sichtbar.